Modellprojekt

Modellprojekt Vereinbarkeitslotsen Pflege und Beruf

Anhand der Prognosen zum demografischen Wandel ist im Land Brandenburg bis 2030 mit einem deutlichen Zuwachs an pflegebedürftigen Menschen zu rechnen. Damit einher geht eine Zunahme des Bedarfs an Beratung zu pflegerischer Versorgung und zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Es gilt daher unter anderem, neben den bestehenden professionellen Angeboten zur Beratung von pflegenden Angehörigen, neue Modelle der Beratung durch ehrenamtlich engagierte Personen zu etablieren.

Das Institut für Soziale Gesundheit (ISG) der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin wurde in einer ersten Phase von Juli 2012 bis Dezember 2013 im Rahmen der INNOPUNKT-Initiative „Beruf, Familie, Pflegen. Neue Vereinbarkeitslösungen für Brandenburg“ über Lottomittel durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (MASGF) des Landes Brandenburg gefördert. Im Rahmen der ersten Modellphase wurde im September 2012 eine Vereinbarkeitskoordinatorin in der Stadt Eisenhüttenstadt eingesetzt, die in erster Linie betriebliche Strategien zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in Wirtschaftsunternehmen fördert. Zudem wurden pflegende Personen angesprochen, die sich in Beschäftigungsverhältnissen ohne betriebliche Vereinbarkeitsstrategien befanden. Weil deren Zeithaushalt nicht durch arbeitsorganisatorische Arrangements kompensiert wird, sollten dafür individuelle Entlastungskonzepte entwickelt werden.

Weiterhin sollte durch die Vereinbarkeitskoordinatorin in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Oder-Spree, Ämtern und Gemeinden sowie mit frei gemeinnützigen bzw.  gesellschaftlichen Organisationen wie der Volkssolidarität, Gewerkschaften und Kirchengemeinden bürgerschaftlich engagierte Personen (sogenannte Vereinbarkeitslotsinnen und -lotsen) über Städte und Gemeinden, Kammern und Berufsverbände geworben werden. Die Kontaktpersonen sollen außerhalb des professionellen pflegerischen Versorgungssystems, also beispielsweise aus gewerkschaftlichen und kirchlichen Strukturen heraus sowie in Ortsvereinen verschiedener gesellschaftlicher Organisationen wirken. Diese Vereinbarkeitslotsinnen und -lotsen wurden durch das Institut für Soziale Gesundheit geschult, damit sie vor Ort als Kontaktpersonen für Fragen der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf wirken und in ihrem Umfeld zu den Möglichkeiten, soziales und pflegerisches Engagement mit der eigenen Berufstätigkeit zu vereinen, beraten können. Die Koordination dieser ehrenamtlich engagierten Personen erfolgt durch die Vereinbarkeitskoordinatorin.

Seit Januar 2014 befindet sich das Modellprojekt „Vereinbarkeitslotsen Pflege und Beruf“ in einer nächsten Modellphase und wird im Rahmen des AG SGB XII bis Dezember 2016 durch das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und den Landkreis Oder-Spree gefördert. Neben dem Standort Eisenhüttenstadt agiert das Modellprojekt in Erkner. Besondere Bedeutung kommt dabei den Pflegestützpunkten in Eisenhüttenstadt und Erkner zu, denen die Vereinbarkeitskoordinatorinnen zugeordnet sind und somit die Pflegestützpunkte entlasten, deren Angebot erweitern und engagierte Bürgerinnen und Bürger in die Netzwerkarbeit der Pflegestützpunkte integrieren.

Auch in dieser Phase nehmen die Vereinbarkeitskoordinatorinnen Kontakt zu Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern in der Region Eisenhüttenstadt und Erkner auf, um sie zur Einführung, Umsetzung und Etablierung von gesetzlichen und betrieblichen Vereinbarkeitslösungen von Pflege und Beruf zu beraten und bei innerbetrieblichen Vereinbarkeitslösungen zu unterstützen. Darüber hinaus werden weiterhin gezielt engagierte Bürgerinnen und Bürger geworben und zu Vereinbarkeitslotsinnen und Vereinbarkeitslotsen geschult. Durch ihre Einbindung und Schulung sollen die Zielgruppen – pflegende Angehörige, pflegende Erwerbstätige und Gepflegte – Zugänge zu den Beratungs- und Netzwerkstrukturen für Pflege und Ehrenamt in der Region erhalten. Die Steuerung der Aktivitäten und die wissenschaftliche Begleitung führt das ISG durch. Dazu werden unterschiedliche sozialwissenschaftliche Methoden und Instrumente zur quantitativen und qualitativen Datenerhebung und -analyse im Sinne formativer Evaluation angewendet bzw. entwickelt (Dokumentenanalyse, statistische Datenanalyse, Experteninterviews).

 

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